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BALTISCHE STUNDE

Eine Radiosendung des Vereins Infobalt Bremen im Offenen Kanal Bremen wieder am:

10. Mai 2012

Weitere Informationen:
www.infobalt.de

Berg der Kreuze -
Pilgerort und Stätte für den Protest gegen staatl. Willkür

Der Berg der Kreuze ist ein katholisch und touristisch geprägter Wallfahrtsort in Litauen unweit von Šiauliai (deutsch: Schaulen) an der Straße nach Riga. Die Pilger pflegen Kreuze auf den Hügel zu stellen, verbunden mit einem Wunsch oder Dank. Die Wallfahrt erfolgt individuell und ist an keine Termine gebunden.

Zu sowjetischen Zeiten wurde mehrfach versucht, die Wallfahrt zu unterbinden. Mindestens dreimal wurden die Kreuze mit Planierraupen niedergewalzt. Da sich die Litauer hier durchsetzten, wurde der Berg der Kreuze auch ein nationales Symbol.
Als 1940 die Truppen der Roten Armee auch in Litauen einmarschierten, stieg die Zahl der Kreuze explosionsartig an. Der Grund: Von 1941 bis 1952 verschleppte das Sowjetsystem Abertausende Menschen nach Sibirien, wo sie unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten und leben mussten. Schicksale, an denen die Litauer mit abertausenden Kreuzen gedacht wurde. Kein wunder, dass den Sowjets der Kreuzberg stets ein Dorn im Auge war. Mehrfach versuchten die Besatzer den "Berg der Kreuze" zu vernichten. Wie durch ein Wunder standen am nächsten Morgen immer wieder die ersten Kreuze – über Nacht von mutigen Litauern eingebuddelt. Der verbissene Krieg um die Kreuze dauerte fast 20 Jahre.

„So was gibt’s doch gar nicht“; ist oftmals der erste Reflex. Was man etwa 10 km außerhalb der litauischen Industriestadt zu sehen bekommt, kann man nicht glauben und haut einen schlichtweg um. Große Kreuze, kleine Kreuze, riesige Kreuze und winzige Kreuze, schwarze und bunte Kreuze, Kreuze aus Pappe, Holz, Glas Metall und Kunststoff. Einfach hingestellt, eingegraben oder hängend an Bändern und Rosenkränzen. Kreuze in Bündeln übereinandergehängt – Kreuze dicht an dicht. Inschriften verraten oft die Herkunft der Kreuze. Nimmt man sich ein wenig Zeit, erkennt man schnell, dass auf dem Berg Kreuze aus der ganzen Welt stehen. Bedrückend ist, dass einige Kreuze Widmungen für verschollene Familienangehörige in Sibirien tragen. Ein Deutscher bittet mit einem vergoldeten Davidstern um Vergebung für den Holocaust (siehe Bild re.).

Der Hügel gilt als mittelalterlicher Burghügel, ist also teils künstlich angelegt. Kreuze dürften hier erst im 19. Jh. aufgestellt worden sein. 1900 waren es erst 130, 1940 etwa 400. Heute stehen ca. 55.000 Kreuze auf diesem Hügel, nicht gerechnet die zahlreichen kleinen Kreuzanhänger. Die vom Hügel und den umgebenden Kreuzen eingenommene Fläche beträgt mehr als einen Hektar.

Am 7. September 1993 besuchte Papst Johannes Paul diesen Ort und zelebrierte in einer Holzkapelle unter freiem Himmel vor etwa 100.000 Gläubigen eine Messe. Er stiftete ein großes Kreuz. Seither gilt der Kreuzberg auch als heiliger Ort für Katholiken aus aller Welt, was man auch an den Kreuzen mit Inschriften aus aller Welt erkennen kann.

Der Berg der Kreuze wurde am 28. Dezember 2006 durch einen Brand auf einer Fläche von etwa 50 m² beschädigt.

Berg der Kreuze Kreuz_9_k Berg der Kreuze
Berg der Kreuze
Berg der Kreuze
Berg der Kreuze
Berg der Kreuze
Berg der Kreuze - Deutscher bittet um Vergebung für Holocaust
Berg der Kreuze
Berg der Kreuze

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